📜 Schützengesellschaft mit fast 500 Jahren Geschichte

Dieser Beitrag stützt sich auf die historischen Inhalte des Vortrags „Vom frühen Schutzwesen zur Gründung der Herzberger Schützengesellschaft“, den Rainer Sause, langjähriger 1. Vorsitzender der Herzberger Schützengesellschaft und heute ihr Ehrenvorsitzender, im Rittersaal des Schlosses Herzberg gehalten hat.
Durch seine jahrzehntelange Arbeit im Vorstand und seine intensive Beschäftigung mit den Archiven der Schützengesellschaft und der Stadt Herzberg verfügt Sause über ein außergewöhnlich tiefes Wissen über die Geschichte des Schutzwesens und die Entwicklung der Herzberger Schützen. Seine Erkenntnisse bilden die Grundlage für die folgenden Einblicke.
🏞️ Die allerersten Anfänge – wie Rainer Sause sie im Rittersaal erklärte
(Dieser Abschnitt stammt inhaltlich aus dem Vortrag von Rainer Sause, langjähriger 1. Vorsitzender und heutiger Ehrenvorsitzender der Herzberger Schützengesellschaft.)
Bevor das Schloss Herzberg entstand, war der Ort keine befestigte Stadt, sondern eine kleine, ungeschützte Siedlung am Harzrand. Rainer Sause beschrieb im Rittersaal sehr eindrucksvoll, wie diese frühe Phase aussah:
- einzelne verstreute Höfe
- keine Stadtmauer, keine Tore
- keine organisierte Verteidigung
- ständige Gefahr durch Fehden, Überfälle und Plünderer
- Schutz nur durch lokale Adelsfamilien, die aber selbst kaum gesichert waren
Zwischen 1152 und 1270 taucht erstmals eine niederadlige Familie von „Hertensberge“ in Urkunden auf. Sause erklärte, dass diese Familie als Lehnsnehmer verpflichtet war, die Region zu sichern und eine erste hölzerne Burganlage zu unterhalten — den Vorläufer des späteren Schlosses Herzberg.
Diese frühe Burg war:
- ein Wehrbau aus Holz,
- mit Palisaden und Graben,
- ein Zufluchtsort für die Bevölkerung,
- und der erste organisierte Schutzpunkt der Region.
Sause betonte im Vortrag:
„Ohne diese frühen Schutzanlagen hätte es die Schützengesellschaft in dieser Form nie gegeben.“
Damit ist klar: Das Schutzwesen in Herzberg begann lange vor dem Schloss — und genau aus diesen frühen Strukturen entwickelte sich später die Schützengesellschaft.
🏰 1. Schloss Herzberg als Schutz- und Verwaltungszentrum

Schloss Herzberg im Merian-Kupferstich von 1654 (Ausschnitt)
Der Vortrag macht deutlich: Herzberg war im Mittelalter eine offene Stadt ohne Stadtmauer. Schutz bot ausschließlich das Schloss, das erstmals 1154 erwähnt wird.
Zwischen 1152 und 1270 taucht eine adelige Familie von „Hertensberge“ in Urkunden auf. Sie war als Lehnsnehmer verpflichtet, die Burg zu verteidigen. Damit war das Schloss:
- militärischer Mittelpunkt
- Verwaltungsort
- Schutzinstanz für die Bevölkerung
- Ausgangspunkt des lokalen Schutzwesens
Diese frühe Schutzfunktion ist der historische Boden, auf dem später die Schützengesellschaft entstand.
🛡️ 2. Die Ursprünge des Schützenwesens

Mittelalterliche Schützen mit Armbrüsten.
Im Vortrag wird erklärt, dass „Schützen“ ursprünglich Schutz leisten bedeutete – nicht schießen.
Im 12.–13. Jahrhundert:
- bildeten sich Schützenbünde
- schützten Bürger ihre Städte
- war das Schloss die zentrale Schutzinstanz für Herzberg
- herrschte auf dem Land Lehnsrecht und damit Schutzpflicht gegenüber dem Lehnsherrn
Erst später kamen Feuerwaffen hinzu, zunächst unpräzise Vorderlader, später gezogene Läufe ab ca. 1840.
📜 3. Das Privileg von 1538 – Der offizielle Beginn

Damals residierte Herzog Philipp I. auf Schloss Herzberg. 1538 verlieh er den Herzberger Bürgern das Privileg, jedes Jahr ein Schützenfest abzuhalten.
Der Vortrag betont: Nach dem Schlossbrand von 1510 halfen die Herzberger Bürger beim Wiederaufbau. Als Anerkennung verlieh Herzog Philipp I. ihnen 1538 das Privileg, Schützenfeste abzuhalten.
Wichtig ist die historische Einordnung:
- Ein Fürst erlaubt nichts, was es vorher nicht gab.
- Das Privileg bestätigt eine bereits bestehende Schutzorganisation.
- Die Schützengesellschaft war Teil der Schlossverwaltung.
- Das Privileg war ein politischer Akt, der die Bürger enger an das Schloss band.
🦌 4. Das Kleinod – Der silberne Hirsch
Kleinod / Bestemann-Schild
Der Vortrag liefert wertvolle Details:
- Das Kleinod wog 1694 bereits 52 Lot (ca. 900 g Silber).
- Es musste bei offiziellen Anlässen im Schloss getragen werden.
- Zudem war es bei allen öffentlichen Veranstaltungen in der Stadt sowie bei kirchlichen Anlässen – einschließlich Gottesdiensten – verpflichtend zu tragen.
- Beim späteren Verkauf einzelner Teile finanzierte man damit die Schützewiesen, die von den jeweiligen Bestemännern genutzt werden durften.
Das Kleinod ist damit ein materielles Bindeglied zwischen Schloss und Schützengesellschaft.
🎯 5. Schützenordnung und Pflichtdienst
Die Schützenordnung des Fürstentums Grubenhagen (1673) regelte:
- Pflicht zur Anschaffung eines Gewehrs
- Pflicht zum Übungsschießen
- Pflicht zum Exerzieren
Der Vortrag macht deutlich:
- Von Freiwilligkeit war keine Rede – es war Wehrpflicht.
- Die Ordnung wurde vom Amt im Schloss überwacht.
- Der Amtmann war bis 1930 automatisch Schützenhauptmann oder Vorsitzender.
Die Schützengesellschaft war also staatlich kontrolliert, nicht unabhängig.
🏹 6. Schüttenhoff – Der Übungsplatz
28.05.2026 Schützengericht
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Der Vortrag erklärt:
- Der Schüttenhoff war der Übungsplatz, nicht das Fest.
- Waffen mussten das Fleckenzeichen tragen.
- Fremde durften den Schießplatz nicht betreten.
- Verstöße wurden mit der Pritsche bestraft.
- Die Pritsche ist bis heute im Schützengericht erhalten.
🎪 7. Schützenfest früher und heute
Der Vortrag beschreibt das historische Schützenfest:
- Antrommeln am Vortag
- Aufzug durch alle Straßen
- Königsschießen unter Aufsicht des Amtmanns
- Sure‑Klebecken‑Essen (warme, sehr fettige Sülze)
- Tanz im Wein- und Bierzelt bis zum Morgen
- humorvolle Gerichtsverfahren im Schützengericht
Das Fest war ein Volksfest im besten Sinne, getragen von Schloss, Amt und Bürgerschaft.
🏞️ 8. Die Schützenplätze im Wandel der Zeit
Der Vortrag liefert die historische Entwicklung:
Pfingstanger (bis 1793)
Zwischen Schloss und Eichholz – ursprünglicher Festplatz.
Haide (ab 1793)
Erstes Schützenhaus, später Schießstände, Weinzelt, Turnhalle.
Schießstand am Kirchhof (1935)
Moderner Schießstand nach Vorgaben der Deutschen Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen.
Mit beeindruckenden Details:
- 200 m Gleis
- 9 Loren
- 30 Schaufeln
- 30 Hacken
- 50 Arbeiter des Reichsarbeitsdienstes
- 11 Schießbahnen à 175 m
- 5 Kleinkaliberstände
⚔️ 9. Die 1930er Jahre – Wandel und Umbrüche
Der Vortrag beschreibt die Veränderungen:
- neue Uniformen
- neue Satzung
- stärkere Ausrichtung auf Schießsport
- Öffnung der Mitgliedschaft für alle Bürger ab 18 Jahren
- Ende der traditionellen Gehröcke und Zylinder
🔥 10. Kriegsjahre und Neubeginn
Das Foto zeigt das Gebäude, das nach 1949 auf den Grundmauern des früheren Schießstandes errichtet wurde. Es markiert den historischen Standort, an dem die Herzberger Schützengesellschaft vor und nach dem Krieg ihre Schießanlagen nutzte.
Der Vortrag liefert wichtige Zusatzinformationen:
- Der Schießstand diente als SS‑Magazin.
- Am 12. April 1945 brannte er vollständig nieder.
- Die Schützengesellschaft hörte praktisch auf zu bestehen.
- Nur durch Rettung von Fahnen, Kleinodien und Unterlagen konnte der Verein ab 1949 neu beginnen.
🎯 11. Die Schützengesellschaft heute

Die Herzberger Schützengesellschaft ist heute:
- Traditionsverein
- Kulturträger
- moderner Sportverein
Historische Hintergründe, aktuelle Meldungen und Vereinsaktivitäten der Herzberger Schützengesellschaft finden Sie auf der offiziellen Seite: Herzberger Schützengesellschaft e.V. von 1538 – Startseite
Der Vortrag betont: Die HSG ist ein Spiegelbild der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Herzbergs. Ging es der Stadt gut, ging es auch dem Verein gut.
Die Verbindung zum Schloss bleibt bis heute sichtbar – in Tradition, Brauchtum und Geschichte.

















